Montag, 3. September 2012

Die erste Woche


Hey!

Eine Woche hier ist wieder vergangen und es gibt viel Neues zu erzählen.
Am Dienstag war ich zum ersten Mal in der Stadt, mit Marit, der ehemaligen Freiwilligen. War ziemlich schön, sie hat mir alles wichtige und tolle gezeigt und mir viel erzählt. Die Stadt ist wirklich cool, auch wenn sie kein bisschen mit deutschen Städten zu vergleichen ist (natürlich nicht)… es gibt dort aber eigentlich alles, was man so braucht: einen Supermarkt (der sogar Schokolade verkauft… die in Kenia nur leider recht teuer ist), eine Post, ein paar Banken, viele kleine „General Shops“ (sowas wie deutsche „Tante Emma-Läden“), Friseure, kleine Kleidungsläden, viele Obst- und Gemüsestände, Elektronik-Zeug, Restaurants, kleine Hotels,… alles mögliche. Ach, und mein schon-jetzt-Lieblingsladen: Ein Früchte-Shop, der verdammt geniale frischgepresste Säfte für 50ct verkauft… unglaublich lecker :)

Neben der Innenstadt gibt’s noch nen großen Markt, auf dem man auch alles mögliche bekommt, Obst, Gemüse, Milch, Klamotten, Schuhe, Schmuck, Tücher,… eigentlich genau so, wie man sich einen afrikanischen Markt eben vorstellt.
Also, wie man vielleicht raushören kann, mag ich die Stadt recht gerne. Gestern und vorgestern war ich auch nochmal dort, einmal alleine und einmal mit Marit und ner wieder anderen ehemaligen deutschen Freiwilligen, die Marit besucht hat.
Marit hatte irgendwie auch Kontakt zu einigen von den Straßenjungs hier, es kamen viele zu uns her und haben mit ihr gequatscht. Das Leben auf der Straße hier ist schon relativ hart, die Jungs gehen tagsüber betteln und die Mädchen sieht man eigentlich kaum, weil sie sich anscheinend nachts prostituieren. Außerdem schnüffeln die meisten (alle?) Straßenkinder hier Klebstoff, um den Hunger oder Schmerz oder sonstwas zu betäuben, und man sieht sie sogar ständig tagsüber auf offener Straße mit ihren Kleberflaschen rumlaufen.

Naja, aber trotz allen negativen Seiten hier sind die meisten Menschen erstaunlich fröhlich und offen. Als Weißer wird man hier sowieso ständig gegrüßt und angequatscht, vor allem die Kinder sind meistens total begeistert… ich kann quasi durch keine Straße gehen, ohne dass mir irgendwelche Kinder „Mzungu!“ (Kiswahili für „Weißer“) oder „How are you? How are you?“ hinterher schreien. Ich komm mir schon ziemlich seltsam vor, bei all der Aufmerksamkeit und Begeisterung. Ich mein, ja, meine Hautfarbe ist anders, aber ich bin nur ein normaler Mensch.
Aber daran werd ich mich wohl gewöhnen müssen. Wie an so vieles. ;)

Nun mal zu meiner Arbeit. Letzte Woche waren wir eigentlich durchgehend  nur mit „Unterrichtsvorbereitungen“ beschäftigt, was genauer bedeutet: Ich durfte eigentlich jeden Tag Plakate malen. Im Grunde macht das echt Spaß und ich hab mich auch gefreut, dass alle meine „Werke“ so toll fanden, aber ganz ehrlich – nach 7 Stunden malen, jeden Tag, hat man auch irgendwann die Schnauze voll… ;)
Und so war ich heute ganz froh, dass die Ferien jetzt aus sind und endlich Kinder in der Schule sind. Heute war zwar noch nicht mal die Hälfte aller Kinder da (ist irgendwie so ne Art „Brückentag“, an dem man nicht unbedingt in die Schule muss), aber ich glaub, das war für den Anfang ganz gut. Ich unterrichte zusammen mit zwei anderen, Asli und Nancy, die Baby-Klasse ( Kinder von 2-3 Jahren) und es war heute mit 7 Kindern schon leicht chaotisch – normalerweise sind es 26. Mal sehen, wie das wird.
Ein bisschen blöd ist außerdem, dass die Kinder eigentlich nur Kiswahili reden und ich bisher nicht wirklich viel versteh oder sagen kann. Ich hoffe, das wird bald besser.
Ach, und – was mich wundert, ist, dass die Kinder hier manche Sachen schon sehr, sehr früh lernen… in Deutschland kommt man mit 3 oder 4 mal in den Kindergarten, aber hier müssen die Kinder mit 3 schon zählen, Buchstaben schreiben, Englisch lernen, usw. … ich weiß nicht, ob das nicht ein bisschen früh ist. Manche von den Kids sind wirklich noch sehr klein.

Naja, genug zur Schule erstmal, nach einem Tag kann ich ohnehin noch nicht viel sagen.
Noch ein paar Worte zu meiner Gastfamilie, und dann muss ich auch schon wieder weg…
Ich merke langsam, wie ich mich hier echt gut einleb, ich mag die Familie wirklich gerne… nur mit einer der Erwachsenen (die, die mich auch in Nairobi abgeholt hat) bin ich.. noch nicht so wirklich warm. Manchmal fühl ich mich einfach nicht so ganz respektiert von ihr.
Aber ansonsten fang ich wirklich an, mich hier wohl zu fühlen, es wird langsam lockerer und entspannter und ich denke, wenn ich mich hier mal richtig eingefunden hab, wird das ne super Zeit in der Familie.

Naja, also mal sehen, wie’s so weitergeht… bin gespannt auf den zweiten Schultag morgen mit den ganzen Kindern… :)

Liebe Grüße und bis bald!
Jenny

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