Freitag, 26. Oktober 2012

Weiterwarten und hoffen...

Hallo hallo,

viel Neues gibt es nicht zu erzählen, aber da ich mir ja vorgenommen hab, wieder regelmäßiger zu schreiben, tu ich das jetzt auch.

Wobei es eigentlich doch schon eine wichtige Neuigkeit gibt: Ich werde voraussichtlich nächste Woche mein Projekt und somit auch meine Familie wechseln.
Genaueres darüber weiß ich allerdings noch nicht und da der ICYE diese Nachricht auch nicht mir, sondern meiner Gastfamilie mitgeteilt hat (ja, hier herrschen so ein paar kleine Kommunikationsprobleme *seufz*), weiß ich eigentlich gar nichts.. ;)

Zum einen bin ich froh, von hier wegzukönnen, zum anderen ist es auch schwierig, sich nun wieder auf eine komplett neue Umgebung einzustellen. Eigentlich fühl ich mich gerade viel zu kaputt und kraftlos, um jetzt wirklich offen für eine neue Familie und ein neues Projekt sein zu können.
Aber ich werd es definitiv versuchen.

Zur letzten Woche:
 Da ich immer noch krank bin, und die bisher 2 verschiedenen Hustensäfte, 3 verschiedenen Anti-Erkältungsmittel und das Antibiotikum keine Wirkung gezeigt haben, bin ich vorgestern mal zu einem Arzt gegangen. Das war vielleicht was! Das Wartezimmer hat eher einer alten Berghütte geähnelt, als einem Raum in einer medizinischen Einrichtung, und als ich nach einer Stunde immer noch wartend auf meinem Platz saß, während die Leute um mich rum immer kamen und gingen, hab ich festgestellt, dass die Behandlungsreihenfolge der Patienten wohl keinerlei Logik folgt. Als ich eine Wartende neben mir nach dem System gefragt hab, meinte sie nur: "Naja, du kannst hier warten und warten, solange du willst. Aber du kannst jetzt auch einfach reingehen."  Ja, so einfach ist das also.

Als ich die ganze Tortur dann hinter mir hatte und mich mit dem Arzt ausführlich über seine in Düsseldorf studierende Tochter unterhalten hab, waren etwa 3 Stunden vergangen und auf meinem "Rezept" (ein einfacher Schmierzettel) standen die Namen zweier Medikamente (u.a. mal wieder ein Antibiotikum). Angeblich soll ich eine Harnwegsentzündung haben, was für mich allerdings nicht viel Sinn ergibt... ich huste, schnupfe, hab Fieber, Bauchweh und das Atmen tut manchmal weh - klarer Fall, eine Harnwegsentzündung!  (Ironie)
Nunja, trotzdem nehme ich jetzt mal schön brav meine Medizin und warte ab.

Dadurch, dass ich einmal zum Arzt und einmal zur Apotheke musste, hatte ich ausnahmsweise mal 2 freie Nachmittage, und da heute auch noch ein muslimischer Feiertag ist (ein Opferfest, Īd ul-Adha genannt) und ich deshalb heute wieder frei hatte, war es eine recht kurze und dadurch ganz erträgliche Schulwoche.

Was diese Woche außerdem noch besonders war: Wir haben zum ersten Mal zuhause ein Huhn geschlachtet! Als Hellen von einer Nairobi-Reise zurückkam und mit einem riesen Gockel unterm Arm zum Tor reinspazierte, wurde mir schon ganz mulmig zumute. Trotzdem wollte ich unbedingt bei der Aktion zusehen. Als der Hahn schließlich mit seinen zusammengebunden Füßen in einer dunklen Ecke der Küche lag, hab ich mich zu ihm gesellt, ihn ein bisschen gestreichelt und wir haben gemeinsam auf sein baldiges Ende gewartet...
Als Hellen dann mit unserem gewöhnlichen Brotmesser hereinkam, war es soweit. Sie schleppte das Ding nach draußen, legte ein Tablett unter dessen Kopf, packte fest zu und schnitt dem Tier langsam, aber sicher die Kehle durch.
Ein paar Stunden später lag das Ding dann in Soße schwimmend in einem Topf auf unserem Esstisch. Ich wollte zuerst nichts davon essen, hab es dann aber doch getan - besser so ein Tier, als eines aus einer deutschen Massenhaltung und Massenschlachtungsanlage. Naja, es war seltsam, aber uh, ich sag euch, es war das beste Hühnchen, das ich je gegessen hab. Kein Vergleich zu den Brathendl, die es bei uns zu kaufen gibt.

Nunja... soviel zu letzter Woche.
Beim nächsten Mal wird es wohl wieder mehr Neuigkeiten geben, denn höchstwahrscheinlich hab ich dann schon mein Zuhause gewechselt...

Also bis bald,
Jenny

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Matschkuchen mit Schokosträuseln...

Hallöchen...

Nach über 3 Wochen und vielen neuen Geschehnissen meld ich mich nun endlich mal wieder hier.
Die letzte Zeit war nicht ohne, zum einen voller kleiner, schöner neuer Erfahrungen, zum anderen aber auch sehr stressig, nervenraubend und teilweise grenzwertig.

Angefangen haben die Schwierigkeiten vor ca. 2 Wochen. Ich geh jetzt nicht ins Detail, das würde viel zu lange dauern und ist auch nicht wirklich für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt. Jedenfalls gab es einige Probleme mit meiner tauben Gastcousine, die seit ca. 5 Wochen bei uns wohnt. Ich hab mich in dieser Sache recht stark für sie eingesetzt, weil ich als Mensch mit Moral und Werten doch eine gewisse Verantwortung für die Dinge spüre, die um mich rum passieren. Nun ja, aber das war für meine Gastmutter dann etwas zu viel des Guten und es gab einen recht heftigen Streit mit vielen grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten und der angedeuteten Drohung, mich "rauszuwerfen".

Auch wenn wir uns recht schnell wieder vertragen und entschuldigt haben, liegt hier seit dem etwas Ungutes in der Luft. Dazu kommen viele merkwürdige Gerüchte und Geschichten über meine Gastmutter und das alte Projekt hier (das Kinderheim, in das ich eigentlich hätte kommen sollen) und mittlerweile ist es wirklich schwierig für mich, zu beurteilen, wem ich hier vertrauen kann und wem nicht.

Die Schule ist von Zeit zu Zeit auch sehr anstrengend geworden. Es ist schwer, von den Kindern respektiert zu werden, ohne die hier immer noch verbreiteten "Bestrafungsmethoden" - sprich, die Kinder auch zu schlagen - anzuwenden.
Ich mag die Kinder und die Lehrer nach wie vor sehr gerne, aber es ist zum Teil wirklich eine Herausforderung für mich. 35 kleine Kinder, ca. 43 Stunden die Woche - das muss man mögen. ;)

Als ich dann letztes Wochenende mal wieder in Nairobi war - eigentlich um meine Arbeitserlaubnis abzuholen und mein Visum zu verlängern - hab ich die Gelegenheit genützt und hab mit den Leuten vom ICYE (meine Organisation hier) über die Probleme geredet. Im Grunde wurde ich dort ganz gut verstanden und als ich den Wunsch geäußert hab, meine Familie / Projekt zu wechseln, meinten sie, sie würden sich nach etwas Neuem umsehen.
Nun - wieder zuhause - warte ich also auf Neuigkeiten aus Nairobi und bin gespannt, wie alles weitergehen wird. 100% sicher bin ich mir nicht, ob ein Wechsel wirklich das Beste ist... manchmal genieße ich mein Leben hier ja doch und manchmal schätze ich auch meine Familie hier wirklich sehr. Aber noch weitere 9 1/2 Monate hier bleiben? Es ist schwierig.

Jetzt aber endlich mal zu den guten Seiten des Lebens, zu den kleinen Freuden, die das alles hier doch irgendwie schön und wertvoll machen.
Ich liste einfach mal auf, denn das meiste davon kann man eh nicht beschreiben :) :

Ein kenianischer Kindergeburtstag (grooß, viel Essen, Musik und tanzen) ... Zuckerrohr essen im Mondenschein (das Zeug bricht einem die Zähne!) ... der erste Regen und nun endlich die Regenzeit (und damit einhergehend: barfuß durch Matsch und Dornen waten ;)) ... lange, wortlose Gespräche mit meiner tauben Gastcousine ... Rastazöpfe geflochten bekommen (..und sie nach 2 Wochen selbst wieder auffusseln = 6 Stunden und eine schlaflose Nacht ;)) ... Pizza (!) essen mit den anderen Freiwilligen in Nairobi ... sich sein Handy vom Ohr stehlen lassen und den Dieb über eine Autobahn verfolgen (ok, das ist keine gute Seite des Lebens, aber dafür spannend *hust*) ... drei Tage bei Fine (einer anderen deutschen Freiwilligen) schlafen, viel quatschen, lachen, aufregen und das erste Mal selbst Ugali kochen (zuhause darf ich nicht kochen :( ) ... ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte essen ... einen Slum von innen sehen ... kenianische Schulexamen mit meinen 3-jährigen Kindern schreiben (jaa, das ist ein bisschen früh.. aber es war interessant) ... ein Kamel streicheln ... im strömenden Regen mit einem Gartenschlauch Blumen gießen ...
.. und viel, viel mehr.

Jap, das ist also momentan mein Leben in Kenia. Bald werd ich wieder mehr schreiben und den Blog wieder ordentlich auf dem Laufenden halten, nur die letzte Zeit war einfach sehr chaotisch und schwierig zu beschreiben.

Und jetzt werd ich noch meinen ausnahmsweise mal freien Tag genießen (ja, ich bin mal wieder krank und heut nicht in der Schule) und aaaallen fehlenden Schlaf nachholen ;)

Bis bald, ihr Lieben!
Haltet die Ohren steif.. ich machs auch. ;)