Dienstag, 18. September 2012

Kultur, Alltag? + NEUE BILDER.

Hey ihr,

mal wieder Zeit für einen kleinen Eintrag...
Besonders viel Neues hab ich eigentlich nicht erlebt, es schleicht sich eher so langsam sowas wie ein Alltagsgefühl ein. Einerseits fühle ich mich mittlerweile viel weniger unsicher und angespannt, wie am Anfang, andererseits wird mir bewusst, dass dieses Leben nun wirklich für ein ganzes Jahr meins sein wird.
Ein anderes Leben, ein anderes Zuhause, andere Menschen, eine andere Kultur.
Jaja, die Kultur.

Ein wirklicher Kulturschock ist eigentlich bisher ausgeblieben, an das meiste kann ich mich ganz gut anpassen... nur ein paar Dinge gibt es, an die ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen werde.
Was mir z.B. immer noch schwer fällt zu akzeptieren, ist, dass die Kinder meist recht hart behandelt werden und auch oft mal jemandem die Hand ausrutscht... oder ein Stock, ein Lineal, ein Schuh. Es ist schwierig, weil viele Kids anders wirklich nicht hören, aber mein modern westlich geprägtes Gewissen schreit mir immer wieder zu, dass es auch andere Methoden geben muss.

Ein anderer Punkt sind die Tiere... dazu erzähl ich nur zwei kurze Anekdoten:
Sonntags, Kirche.
Es wird oft als Dank etwas an die Kirche gespendet, meist Geld, wie in Deutschland auch. Letzten Sonntag hat ein Turkana-Volk (ein bestimmter Stamm) zwei Ziegen und einige Hühner gespendet, lebend natürlich.

Es war schon ein leicht unheimliches Bild, als die Hühner mit zusammengebundenen Füßen hilflos neben dem Altar lagen. Wirklich genug hatte ich aber dann, als sie anschließend in der Kirche versteigert wurden... aber wie! Ein Mann hielt die Hühner grob am Flügel, am Fuß oder sonstwo fest, schleuderte sie durch die Luft und versuchte, einen möglichst hohen Preis zu bekommen. Am Schluss lagen die versteigerten Hühner dann ebenso hilflos und schwer atmend unter den Stühlen ihrer neuen Besitzer...
Maggie, meine Gastmutter hätte auch fast eines ersteigert... "das essen wir heute Abend!" meinte sie. Als ich murmelte, ich hätte jetzt keinen Hunger mehr, hat sie es zum Glück gelassen...

Und eine weitere Geschichte...
Es war letzte Woche, die Schule war grade aus, ich hab noch mit den letzten Kindern gewartet, als plötzlich eine winzigkleine Babykatze vor unserem Schulbüro saß. Das Knochengestell war kaum größer als meine Hand und tapste unbeholfen umher.

Mir war klar, das Ding stirbt, wenn es keine Hilfe kriegt, daher hab ich nachgefragt, ob ich nicht Milch oder Fleich für das Kätzchen kaufen könne. Daraufhin wurde ich erstmal ausgelacht...
"Wie, du willst was für die Katze kaufen? Das Viech ist doch wertlos!"
Während eine kleine Diskussion startete, tapste das Kätzchen durchs Schultor raus... ich, immernoch überzeugt, dem Ding zu helfen, hinterher und - ich trau meinen Augen nicht - das Kätzchen ist zu einer Hütte gelaufen und die Menschen davor haben sie eiskalt wie ein Stück Müll durch die Luft in eine Hecke geschleudert.
Da war's für mich natürlich ganz aus....... ich wollte irgendwas tun, das Ding mitnehmen, wenigstens bis es selbst überleben kann. Aber keine Chance, ich durfte nicht... Hellen meinte sogar, die würde das Ding vergiften, wenn ich es mitnehm.
Dabei ist sie diejenige, die ihren Schülern täglich erklärt, dass Bäume und Berge und Vögel und Tiere Gottes Kreation sind... sollte man Gottes Werk denn so behandeln?!


Ich möchte hier nichts verallgemeinern, keine Klischees bestätigen und niemanden für etwas verurteilen... ich erzähle lediglich, wie ich die Dinge hier erlebe, wie ich mich damit fühle - diese Anekdoten sind also rein subjektiv! Es gibt sicher, hoffentlich, auch Gegenbeispiele.

Ich denke, es ist einfach schwierig, eine so fremde Kultur wirklich zu begreifen. Ich versuche zwar, für alles offen zu sein, mich so gut wie möglich anzupassen, die Kultur mitzuleben... aber manche Dinge kann ich - geprägt von meiner Kultur - einfach nicht nachvollziehen.
Und manchmal ist es dann hart einzusehen, dass man diese Dinge nicht ändern kann (vielleicht auch nicht ändern sollte?)... man muss vieles einfach akzeptieren, so sehr man damit kämpft.
Man muss die Babykatze laufen lassen...


Naja... ich denke, das reicht für heute, ich bin ziemlich kaputt... Schule ist ziemlich anstrengend (heute 30 Kinder) und ich bin auch gesundheitlich leicht angeschlagen... also gibt's lieber die nächsten Tage nochmal nen Eintrag!

Kwa heri,
Jenny


P.S.: !! Es gibt neue Bilder !!

3 Kommentare:

  1. oh gott, die arme babykatze... :(
    ich finds gut, dass du dich schön langsam einlebst und ich finds gut, dass dein westliches denken in den beschriebenen fällen rebelliert! auch wenn du das verhalten der kenianer gegenüber den kindern nicht ändern kannst, kannst du sie doch anders behandeln und dir so ihren respekt erarbeiten, der in dem fall nicht nur auf angst aufgebaut ist. oh mami! ich vermisse dich hier in deutschland!
    was mir sorgen macht, is, dass du schreibst, dass es dir ned gut geht. hoffentlich wirds bald wieder gut!!! wenns schlimmer wird oder nicht mehr weg geht, geh bitte sofort zu einem arzt! immerhin kanns da unten auch krankheiten geben mit denen die kenianer super zurecht kommen, aber dein mitteleuropäisches immunsystem überfordert is... pass auf dich auf!!! hab dich lieb <3

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  2. Hui es funktioniert :) Hab jetzt aber schon alles per Facebook gesagt :P

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